Expeditionsbericht 2006 |
7.3.06 Lukla 2800m Heute früh wurde ich unsanft von Pasang geweckt. Ich hatte offensichtlich meine Uhr um eine Stunde falsch gestellt. Jetzt ist mir klar, warum gestern irgendwie jeder auf mich zu warten schien... Der Flug von Kathmandu nach Lukla ist aufregend und spektakulär zugleich. Schon bald durchstößt die kleine zweimotorige Turboprop die Dunstglocke Kathmandus und die Sicht wird frei auf die schneebedeckten Gipfel des Dachs der Welt. Unter mir zieht terrassenförmig befestigtes Kulturland vorbei. Um Haaresbreite fliegen wir über einen Pass, der Höhenmesser des Flugzeuges zeigt mehr als 3000m, direkt darauf nimmt der Pilot die Nase der Maschine nach unten und ich kann die stark ansteigende Landebahn erkennen, die am anderen Ende direkt an einer Bergwand endet. Dann setzen wir auch schon hart auf, werden brutal gebremst und kurz darauf dreht der Pilot die Maschine um 180 Grad und rollt aus - wir sind angekommen. Von jetzt ab muss ich jeden Meter aus eigener Kraft zurücklegen. Es gibt keine Strassen, höchstens unbefestigte Wege bis zum Basislager des Mt. Everest. Abends riegelt dann die Armee Lukla mit Stacheldraht ab - direkt unterhalb des Flugplatzes beginnt von maoistischen Rebellen kontrolliertes Gebiet. 16000 Menschen sind dem Bürgerkrieg schon zum Opfer gefallen.... 8.3.06 Die erste Nacht in den Bergen war sehr ungewohnt. Es schien mir, als ob hunderte Hunde die halbe Nacht hindurch bellten. War kurzzeitig Ruhe, so fing irgendein Köter wieder an, und das über Lukla verteilte Rudel stimmte wieder ein. Irgendwann war tatsächlich Schluss mit dem Gebell, dafür fingen dann die Ratten an, auf dem Dach herum zu rennen. Als ich endlich einschlafen konnte, hatte ich Albträume. Schweißgebadet wachte ich immer wieder auf. Um sieben Uhr stehe ich gerädert auf, es ist kalt und die Zeitverschiebung macht mir noch zusätzlich zu schaffen. Ich frühstücke Müsli mit Proteinpulver, trinke Milchtee und gehe um acht Uhr los. Mich begleitet Ngima, er war 14 Jahre als Mönch im Kloster, jetzt ist er Familienvater und hat eine Lodge in Lukla. Ihm sei das ewige Beten zu eintönig gewesen, sagt er. Es fühlt sich gut an, endlich wieder zu steigen. In nur vier Stunden erreichen wir Monjo, etwa 10 Kilometer entfernt, 500 Höhenmeter hinauf und hinunter. Hier übernachten wir in der Mt. Kailash Lodge. Ich treffe einen Isländer, er lässt in Nepal Wollmützen und Pullover aus Neuseeländischer Wolle fertigen und verkauft seine Ware dann in Island. Bisher waren mir Island-Pullover immer als Sinnbild der dortigen Wirtschaft erschienen. ´Das ist Globalisierung´ meint der Isländer breit grinsend. Der Abend wird sehr angenehm. Der Besitzer der Lodge legt Jazzmusik auf, und die anderen Gäste sind sehr unterhaltsam. Ein japanisches Pärchen ist bereits seit zwei Jahren auf Weltreise unterwegs und hat viel zu erzählen. Diese Nacht schlafe ich besser, dennoch quälen mich Albträume. 9.3.06 Namche Bazar, 3400m Der Aufstieg nach Namche ist steil und mir vom letzten Jahr in schlechter Erinnerung. Nur mühsam schleppte ich mich damals in die Lodge. Diesmal spurte ich förmlich über die letzte Brücke des Dudh-Khosi und steige in einem Zug hinauf zur Sherpa-Hauptstadt, knappe zweieinhalb Stunden brauche ich, und habe mich nicht einmal verausgabt. Die Luft ist staubig, ich muss eine Staubmaske tragen. Sarab Jangbu Sherpa, der Besitzer der Lodge erkennt mich sofort wieder, ungefragt bekomme ich einen großen Becher Milchtee. Später steige ich weiter nach Syangboche hinauf. Hier, auf 4800m gibt es eine unbefestigte Landepiste für Hubschrauber. Schon wenige hundert Meter höher zu steigen und dann erwas tiefer zu schlafen, hilft bei der Gewöhnung an die Höhe. Ich gehe wieder hinunter nach Namche. 10.3.06 Namche Bazar, 3400m Wir steigen zum Everestviewpoint hinauf. Zunächst müssen wir uns beim Militär schriftlich anmelden. Ein großes Militärlager thront quasi über Namche. Leider ist vom Everest nichts zu sehen, weil sich der Himmel vollständig bedeckt. Wir steigen weiter bis auf 3900m hinauf, bis zum Übergang nach Khumjung. Dort hatte ich vor einem Jahr zum ersten Mal den Everest mit eigenen Augen gesehen, doch heute ist er dicht verhüllt. Wir gehen zurück nach Namche. Nachmittags fängt es dann zu regnen an, der erste Niederschlag sei fünf Monaten. Kurz darauf geht der Regen in Schnee über. 11.3.06 Namche Bazar, 3400m. 24 Stunden schneit es nun schon ununterbrochen. Ich helfe, die Dächer zu räumen. Angeseilt sind wir mit Elektrokabel... 12.3.06 Namche Bazar 3400m. Sonnenschein. Durch Tiefschnee steigen wir wieder hinauf zum Everestviewpoint. Der Schnee verhüllt gnädig den Stacheldraht des Militärlagers. So sieht es viel friedlicher aus. Diesmal zeigt sich der höchste Berg der Erde fast unverhüllt. Nur die Wolkenfahne die der Höhenwind an seinem Gipfel erzeugt, lässt erahnen, wie unerreichbar er ist. Durch tiefen Schnee steigen wir weiter bis auf 3900m hinauf. Hier ist der Schnee hüfttief und Mgima muss zurückbleiben. 13.3.06 Thame Everest-Summitter Lodge 3800m. Besitzer ist Apa Sherpa, 15 maliger Everest-Besteiger. Ich bin jetzt so hoch, wie die höchsten Berge Österreichs, oder auf der gleichen Höhe wie die Gouter-Hütte am Montblanc. Als ich dort das erste Mal war, hatte ich fürchterliche Kopfschmerzen, nur mühsam gelang der Aufstieg zum Gipfel tags darauf. Doch heute geht es mir gut, keine Kopfschmerzen, kein Durchfall. Seit sieben Tagen bin ich nun im Gebirge. Langsam gewöhne ich mich an das Leben hier oben, völlig frei von Verpflichtungen oder Aufgaben. Ich esse, schlafe und gehe von Ort zu Ort. Bei meinem Training orientiere ich mich an einem Ironman-Trainingsplan, versuche die dort vorgeschriebene Trainingsintensität in Wegstrecken umzumünzen. Auch betreibe ich täglich allgemeine athletische Übungen. Wenn es mir gelingt, meditiere ich, achte dabei nur auf meinen Atem. Abends lese ich in einem Buddhistischen Lesebuch. Der Grundgedanke ist einfach: jede Art von Verlangen oder Verbundenheit sorgt für Leiden bei Abwesenheit dieser Wünsche. Also führt ein Leben ohne jedes Verlangen zum Ende des Leidens. Ngima geht mit mir in die Klöster und ich erlebe diese Religion neben der Theorie auch hautnah. Heute waren wir in einem Mönchsseminar. Jung und Alt lesen dort stundenlang laut und gleichzeitig aus unterschiedlichen Texten. Nach einiger Zeit wurde ihnen das Essen direkt am Ort der Lesung gereicht. Zwischen den Lesungen liefern sich die jüngeren Mönche eine Schneeballschlacht. Das Haus von Apa Sherpa ist ein einziges Museum voller Huldigungen und Ehrenuhrkunden. Neben Zertifikaten aus aller Welt hängt dort auch ein ganzseitiger Ausschnitt aus der Süddeutschen Zeitung. Apa ist wohl nicht oft hier, vor einer Woche noch, traf ich ihn in Kathmandu, ein kleines drahtiges Männchen voller Kraft. Mit seinem Schnurrbart sehe er aus wie Sammy Davis Jr., schreibt die Süddeutsche. Neben uns logiert noch ein koreanisches Filmteam in der Everest-Summitter-Lodge. Sie warten auf einen langen Yak-Zug aus Tibet. 120 Yaks sind im 24stündigen Schneefall von vor drei Tagen stecken geblieben. Morgen Abend sollen hier in Thame die Tiere gewechselt werden. Die Yaks aus Tibet sollen dann wieder zurück über den Nangpa-La Pass nach Tibet, nepalesische Tiere übernehmen ihre Lasten auf dem restlichen Weg nach Namche und weiter. Am nächsten Samstag sind die Waren dann auf dem Wochenmarkt in Namche zu sehen. Die Koreaner gehen dann zurück nach Kathmandu und kommen eine Woche später mit einer koreanischen Expeditionsmannschaft wieder herauf. Dieses Team will den Lhotse-Shar besteigen. Mr. Em ist auf dem Weg zu dem letzten der 14+2 Achttausender. Der Shar ist ein Nebengipfel des Lhotse. Ich werde das Kamerateam im Basislager wiedertreffen. 14.3.06 Thame Everest-Summitter Lodge 3800m. Tagesausflug in zwei Klöster. Während das eigentliche Kloster von Thame verschlossen bleibt, so können wir auf der Haupthandelsroute nach Tibet ein 650 Jahre altes Kloster besichtigen. Noch vor einem Jahr war der Zugang in dieses Tal für Trekker verboten. 15.3.06 Thame Everest-Summitter Lodge 3800m. In der Nacht sind die 100 Yaks aus Tingri in Tibet endlich eingetroffen. Ich gehe zu den Zelten und schaue mir die schlichten Lager an. Die Tibeter haben über und über geflickte Kleidungsstücke am Leib. Die lange Reise ist ihnen anzusehen. Die Yaks fressen das spärliche Gras vom grob vom Schnee geräumten Boden. Ich sehe getrocknete Schafsviertel. 1000 Rupien - etwa 12 Euro kosten sie. Dann mache ich Bergläufe - Den Hang hinauf und wieder hinunter, so schnell es geht, ich bin zufrieden. Abends fällt dann eine Gruppe deutscher Trekker ein. Bei Bier und Whisky werden Reden geschwungen. Ich halte mich zurück, trinke heißes Wasser, trotzdem ist der Abend sehr unterhaltsam. 16.3.06 Khumjung, 3800m Der Morgen war bedeckt, es hat die Nacht wieder 40cm geschneit. Um neun Uhr reißt es auf, ich entschliesse mich nach Khumjung aufzubrechen. Apas Frau schenkt mir einen Glücksschal und eine Wollmütze zum Abschied, dann gehe ich los. Schnell habe ich die lange vor mir aufgebrochene Trekkergruppe überholt. In Thamo gehe ich ausnahmsweise an einem Wall von Manisteinen falsch herum, da stoße ich auf einen Mann, der aus Schlamm einen Damm baut, um das Schmelzwasser von seinem Haus abzuhalten. Ich erkenne ihn sofort, es ist Furba Sherpa, er war im letzten Jahr bei der Everest Expedition dabei. Er lädt mich auf eine Tasse Tee in sein Haus ein. Im als Kloster umgebauten Hinterzimmer liest ein Mönch ununterbrochen Gebete, das Haus ist voll mit Expeditionsgegenständen, fast wie bei mir zuhause denke ich mir. Wir tauschen die Expeditionsnews für dieses Jahr aus, und verabreden uns im Basislager. Er schenkt mir noch einen Glücksschal und ich ziehe weiter. Das Wetter sieht wieder bedrohlich aus, doch scheint es mir, als sei stets ein sonniges Wolkenloch über mir, während es außenherum dunkel ist, und sogar dann und wann donnert. Kurz vor Namche biege ich vom ausgetrampelten Schneematschpfad ab, will keine Höhe verlieren und auf dem Rücken nach Syangboche hinaufsteigen. Es gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht. Ich gehe durch wegloses Gelände, klettere über Steinmauern und große Steinblöcke, springe von Steinblock zu Seinblock. Dann erreiche ich den Weg von Namche. Genauer gesagt ist es eine Mischung aus Bachbett, Schneematsch und Matsch über die ich weitersteigen muss. Kurz nach Syangboche verläßt mich der Sonnenschein endgültig, aber der Schulweg der Kinder aus Namche nach Khumjung ist ausgetreten und nicht zu verfehlen. Nach knapp drei Stunden Gehzeit komme ich in Khumjung an, dabei habe ich 2200 kcal verbrannt. Ich bin zufrieden. 17.3.06 Khumjung, 3800m Wir besichtigen das Kloster, besonders gespannt bin ich auf den Yeti-Skalp. Gegen eine Spende öffnet der Lama den Metallschrank. Unscheinbar sieht er aus, Untersuchungen in Amerika haben den Skalp als Fälschung entlarvt, doch tut das der Legende keinerlei Abbruch. Mehr beeindrucken mich drei menschliche Schädeldecken, sie enthalten Butter für rituelle Zwecke.. Wir gehen weiter zum Khunde Hospital. Edmund Hillary´s Himalayan Trust hat es gegründet. Seitdem haben die Bewohner von Solokhumbu erstmals die Möglichkeit, medizinische Versorgung zu erhalten. Später steigen wir noch einen Bergrücken bis auf 4000m hinauf. Ngima mit Sandalen, so rutscht er mehrmals aus, und kommt völlig verschlammt unten an. Abends erscheint eine Trekkerin aus Deutschland in der Lodge. Sie hat sich auf dem Weg nach Thame das Knie verletzt und kam auf Sherpa und Pferderücken ins Hospital. Dort räumt man ihr keine Chancen ein, den Trip fortzusetzen, gibt ihr Schmerzmittel und einen Stützverband. Ich erfahre, dass der Trekkingguide eines namhaften deutschen Veranstalters ganz entspannt bei der Gruppe blieb, morgen Abend will er hier eintreffen, und sich kümmern... Das Satellitentelefon kommt zum Einsatz, die Angehörigen werden direkt informiert - die Lodge hat kein Telefon.. 18.3.06 Khumjung, 3800m Heute ist Markttag in Namche. Ich stehe um sechs Uhr auf, um sieben kommen wir los und reihen uns in eine lange Trägerschlange ein, die nach Namche zum Einkaufen absteigt. Ganz Solokhumbu scheint unterwegs zu sein. Der Tag beginnt ohne Wolken, je tiefer wir kommen, desto weniger Schnee liegt, trotzdem ist der Boden tiefgefroren. Wir brauchen nur eine gute halbe Stunde bis nach Namche. Dort herrscht reges Treiben, von Schuhen bis hin zu lebenden Hühnern wird alles angeboten. Ich versorge mich mit Schokoriegeln für die nächsten zwei Wochen. Mittags steigen wir wieder auf nach Khumjumg. Dann mache ich mich auf die Suche nach Pemba Shiri. Nachdem ich kreuz und quer durch Khumjung gegangen bin, finde ich ihn. Er weiß noch nichts genaues, aber er ist für das Gepäck ab Syangboche verantwortlich. Wenn ich von meinem Trek zurück bin, weiß ich jetzt, wo ich ihn finde. Danach statte ich Pasang Shiri einen Besuch ab. Er war im letzten Jahr bei Pemba Dorje als climbing Sherpa dabei. Er berichtet Pemba sitze immer noch im Gefängnis, Mingma Dorje sei jetzt eingeplant. Jeden Tag neue Gerüchte. Abends erzählt mir Mgima, dass er am 27. März in Lukla sein will, weil eine Gruppe Japaner zum Everest-View Hotel trekken will. Darauf ändere ich meine Pläne, komme wohl erst zurück nach Khumjung. Hier kann ich meine weiteren Pläne am besten festlegen. 19.3.06 Dole, 4050m Morgens um 7 Uhr kommen wir in Khumjung los. Zunächst nehme ich Kurs auf die Wasserzapfstelle an der Gompa. Ich darf mich vordrängeln - meine kleinen Flaschen sind schnell gefüllt, während ganz Khumjung mit großen Kanistern, deren Befüllung viel länger dauert, versorgt wird. Kurz nach dem Dorfausgang zweigt eine Art Himmelsleiter links ab. Senkrecht haben die Sherpas eine kunstvolle Steintreppe mitten durch eine Felswand errichtet. Mein Höhenmesser zeigt später eine sagenhafte Steiggeschwindigkeit von 36m in der Minute an. Der Weg zieht sich zunächst einen Berghang entlang und erreicht einen Pass mit Blick auf das Kloster von Tengboche. Dann folgt ein steiler Abstieg über einen vereisten Schneepfad von mehreren hundert Höhenmetern bis ganz hinunter nach Portse Tenga am Dudh Kosi. Dann muss ich alles wieder steil herauf gehen, bis ich nach zwei Stunden und vierzig Minuten Dole auf 4050m erreiche. Dort kehre ich in der Namaste Lodge ein. Die Lodge ist sehr schlicht, die Zimmer haben kein Licht und die Toilette besteht aus einem fünf Minuten entfernten Donnerbalken. Das Schild außen an der Lodge verspricht ´delicious food´ und so ist es dann auch. Wir gehen zum Kleider waschen hinunter zum Fluss, hier ist das einzige fliessende Wasser, wenn man einmal von den tropfenden Dächern absieht. Auch in unserer Lodge wird das Schmelzwasser des Dachs aufgefangen und zum Teekochen verwendet. So schmeckt es dann allerdings etwas ungewohnt. Nachmittags steige ich noch auf der gegenüberliegenden Seite etwa 200 Meter empor. Danach halte ich meine Füsse in den eiskalten Fluss und ich habe den Rest des Tages angenehm warme Füße. Der Abend wird kurzweilig, die Lodge füllt sich, die Sherpas spielen Karten, ein älteres Französisches Ehepaar schläft im Sitzen ein und ich unterhalte mich mit einem deutschen Trekker, der im letzten Jahr mit dem Rad von Deutschland nach China fuhr. 20.3.06 Yeti-Lodge, Machermo, 4400m Bis spät in die Nacht habe ich noch geschrieben, dann recht gut geschlafen. Morgens mit leichten Diarrhöe Attacken gekämpft, wäre ja auch zu einfach gewesen! Das obligatorische Proteinmüsli soll Kraft für den Tag geben. Um halb neun kommen wir los, eigentlich wollte ich mir heute Zeit lassen, aber dann überkommt es mich, und ich lege die Strecke in einer Stunde und vierzig Minuten zurück, gleichzeitig losgegangene Trekker kommen über zwei Stunden später an. Die Strecke hat es in sich, führt sie doch hoch oben an einem Steilhang entlang, der immer noch tief verschneit ist. Ohne Eispickel wäre ein Absturz auf dem vereisten Hang kaum zu bremsen. Dafür habe ich einen atemberaubenden Blick auf den Cho Oyu, den angeblich leichtesten Achttausender. Die Südwand sieht allerdings keinesfalls einfach aus, der einfachere Normalweg führt denn auch über Tibet zum Gipfel. In der Yeti-Lodge trinke ich zwei Liter Tee und ersticke meine Verdauungsprobleme mit 500mg Ciprofloxazin sozusagen im Keim. Schon nach kurzer Zeit fühle ich mich wieder bestens und steige auf den etwa 100m höheren nächsten Sattel. Leider verhüllen die üblichen Nachmittagswolken den Blick zum Cho-Oyu, morgen früh werden wir freie Sicht haben. Die Lodge füllt sich mit englischen und französischen Trekkern, die Franzosen kommen von oben, sie berichten, der Weg sei frei, ihre Schuhe sind allerdings klatschnass vom Schneematsch. Die Engländer wollen eigentlich zelten, bei den Schneeverhältnissen ziehen sie allerdings die Lodge vor. Am Everest werde ich diese Wahl nicht haben... 21.3.06 Namaste-Lodge, Goyko, 4790m Das bisher eindeutig schönste Teilstück! Neben phantastischen Blicken auf den Cho-Oyu sind die heiligen Seen am beeindruckendsten. Sie sind noch halb zugefroren und an den Ufern stehen überall Steinmänner. Besonders der Blick von Goyko auf den dritten heiligen See erinnert an skandinavische Fjordlandschaften. In 2:20 bin ich hier herauf gekommen, richtig euphorisch war ich bei der Ankunft ! Fast scheint es, als hätte sich das harte Training gelohnt! Aber ich weiß genau, es werden noch Wochen vergehen, bis es tatsächlich zum Schwur kommt, wie es mir heute geht, ist dabei völlig unerheblich. Dennoch übernachte ich bereits auf der Höhe der allerhöchsten Alpengipfel, im Himalaya beginnt allerdings hier erst die Bergsteigerei! Nachmittags füllt sich die Lodge, die Engländer wanken nach mehr als vier Stunden Gehzeit herein, völlig verbrannte Holländer kommen vom Goyko-Ri herab, und eine koreanische Gruppe schläft im Sitzen ein. Früh steige ich in meinen Schlafsack, denn morgen will ich früh los, keine Wolke soll den Blick auf den Everest verstellen können! 22.3.06 Namaste-Lodge, Goyko, 4790m Früh um vier werden die Koreaner von ihrem Führer unsanft geweckt, mein Zimmer liegt zwischen zwei Zimmern von ihnen... Also stehe ich notgedrungen auch auf. Es ist dunkel und eiskalt, alles Wasser in der Lodge ist eingefroren. Ich würge zwei Müsliriegel herunter und packe den kleinen Rucksack. Um fünf Uhr gehe ich hinunter, Ngima kommt mir entgegen. Er trinkt noch einen Tee und schon sind wir unterwegs. Hoch über uns leuchten die Stirnlampen der Koreaner, es dauert nicht lange, da überhole ich sie. Es liegt immer noch viel Schnee auf dem 5380m hohen Hügel, aber er ist fest und so sinke ich nur selten ein. Kurz vor Sonnenaufgang erscheint der Everest über der Bergkette rechts von mir. Die Sonne verbirgt sich noch hinter dem Lhotse. Die letzten 20 Minuten steige ich im gleißenden Sonnenlicht. Vier Achttausender auf einen Blick: Everest , Lhotse, Makalu und direkt vor mir der Cho-Oyu. Tief unter mir Goyko und der dritte heilige See. Als die Sonnenstrahlen sein Eis erreichen, gibt er ungewohnte Töne von sich, fast wie ein Tier. Ngima befestigt einen Schal am höchsten Punkt, er hat die Namen aller Familienmitglieder darauf geschrieben und betet unaufhörlich. Er ist zum ersten Mal hier oben. Der Abstieg ist in einer knappen halben Stunde erledigt. Der Rest des Tages bleibt, um die unwirklich schöne Gegend zu bewundern. Die gegenüberliegenden Berggipfel verschwinden bald hinter Wolken, die Sonne schickt jedoch einen goldenen Sonnenstrahl durch die Scharte zwischen ihnen auf den See herab. Von der Seeoberfläche steigen Nebelschwaden herauf, der Wind treibt sie kreiselnd über das Wasser. Tibetische Schneeenten schwimmen über den See, sein Wasser ist kristallklar. 23.3.06 Forche Guesthouse, Portse, 3800m Die bisher längste Tagesetappe! Fünf Stunden brauche ich, den ganzen Weg durch das Goyko-Tal zurückzugehen. Dabei gestaltet sich der Abschnitt zwischen Macherma und Dole unerwartet schwierig. Der Pfad verläuft hier an einem Steilhang entlang, und ist gerade zwei Fußbreit in den Schnee getreten. Obwohl es erst morgens zehn Uhr ist, hat ihn die Sonne bereits komplett durchgeweicht, und ich sinke teilweise knöcheltief in den braunen Matsch hinein. Manche Stellen sind noch vereist, andere bestehen aus Schneematsch, je nach Hanglage. Außerdem kommen mir laufend Yak-Karawanen, Träger oder andere Trekker entgegen, Platz zum Ausweichen gibt es kaum, jedes Mal muss ich in den aufgeweichten Schneehang springen. Andere, vor mir herschleichende Gruppen zu überholen, gelingt nur auf Zuruf. Der Matsch klebt an den Sohlen fest und ich rutsche mehrmals aus, einmal lande ich unsanft auf dem Hosenboden. Bei jedem Schritt spritzt der Schlamm auf meine Hosenbeine und gibt ein schmatzendes Geräusch von sich, einfach ätzend! Dann, komme ich kurz vor Dole um eine Ecke, plötzlich kommt mir ein warmer Luftschwall entgegen, und ich stehe auf einer völlig trockenen Almmatte. Ab jetzt wird es angenehmer, einzig auf den vereisten Strecken muss ich noch etwas aufpassen. Wieder muss ich hinab zum Dudh-Kosi, diesmal überquere ich ihn und steige einige hundert Meter hinauf nach Portse. Das Dorf liegt auf einem etwa 100 Höhenmeter ansteigenden Hang und ist auf dieser Seite mit einem langen Band aus Mani-Steinen voller Gebete umgeben. Ich gehe bis fast ganz hinauf, um zu erfahren, dass meine Lodge am unteren Ende steht.. Nachmittags steige ich nochmals bis ganz empor zur Gompa, doch ist sie verschlossen, und kein Mönch ist zu sehen. Abends zeigt der Hüttenwirt ein Video mit einem Eiskletterkurs für Sherpas. Gegen neun Uhr falle ich todmüde ins Bett. 24.3.06 Khumjung, 3800m Wir verlassen Portse um 7 Uhr morgens. Der Weg steigt zunächst an, bis zum oberen Dorfrand, dann geht es 200m, steil hinunter zum Imja Khola. Wir überschreiten den Fluss auf einer wackligen Holzbrücke, die andere Bergseite ist noch tief verschneit und der Weg stark vereist. Wieder steigen wir steil bergan, bis wir direkt am Kloster Tengboche aus dem Bergwald kommen. Wir beziehen Quartier in der dortigen Lodge. Ich steige noch etwa 100m empor, sehe den Everest in der Ferne. Dann streife ich durch die abfallende braune Ebene von Tengboche. Es ist warm, die Morgensonne lässt die Gebäude freundlich erscheinen, in der Bäckerei erstehe ich ein Stück Gebäck. Als ich wieder hinauf Richtung Kloster gehe, kommt mir Ngima entgegen und schlägt mir vor, gleich nach Khumjung weiterzugehen. Er will jetzt nach Hause! Mir gefällt es hier sehr gut, aber ich werde bald wieder hier vorbei kommen, und so stimme ich zu. Zum zweiten Mal heute, packe ich den Rucksack und wir steigen, diesmal auf der anderen Bergseite wieder herab zum Fluss. Die fast 500m schaffen wir in einer halben Stunde. Drüben steigt der Weg wieder fast genauso weit empor bis wir Khumjung wieder erreichen. Es ist bewölkt und kalt. In der Lodge bin ich bereits bekannt. Ich versuche herauszubekommen, wann mein Gepäck heraufkommt, aber es gibt nichts Neues und Pemba Dorje sitzt immer noch im Gefängnis. Meine ursprünglichen Pläne funktionieren so nicht mehr. Ich wollte zunächst mit den aufsteigenden Expeditionsteilnehmern zum Basislager, und dann zurück nach Namche, und mich dann am 12.April dort mit Klaus treffen. Weil das Basislager aber erst ab 10.April besetzt ist, wird das alles etwas knapp... Wie dem auch sei, inzwischen liegen fast drei Wochen und damit deutlich mehr als die Hälfte der Vorakklimatisationsphase hinter mir und ich glaube, ich kann zufrieden sein. Inzwischen überholt mich auch kein leicht bepackter Sherpa mehr, und das in einer durchschnittlichen Höhe von über 4000m. Rückschlüsse auf die Leistung am Everest selbst erlauben sich natürlich nicht, aber ich denke, eine gute Grundlage ist gelegt, alles Weitere wird sich zeigen. Mehr an Vorbereitung ist mir nicht möglich, wenn die Kondition diesmal nicht reicht, dann wird sie wohl niemals reichen... 25.3.06 Khumjung, 3800m Heute Morgen gilt es Abschied nehmen. Ngima steigt ab nach Lukla und weil Markttag ist, gehe ich mit ihm hinab nach Namche. Ich will meine Emails lesen und je nachdem, was ich aus Kathmandu höre, entscheiden wie ich weitermache. Als Ngima geht, bin ich traurig, er war mir ein guter Freund geworden. Ich steige durch das Markt-Gewusel hinauf in die Panorama-Lodge, dort kann ich am einfachsten meine Daten übertragen. Als ich dort ankomme schaue ich in verwunderte, ja fast erschrockene Gesichter, mit mir hat offensichtlich niemand gerechnet, wähnt man mich doch hoch oben am Berg. Als ich erzähle, dass ich nur kurz hier bin, hellen sich die Gesichter auf, ein solch frühes Scheitern wünscht mir wohl niemand. Aus Kathmandu erfahre ich, dass sich die Pläne geändert haben. Klaus, Josef und ich sind nun auf einer Genehmigung mit dem No Limits Team aus den USA. Sirdar, Chefsherpa ist Apa Sherpa! Ich kann es kaum glauben, eine bessere Nachricht hätte ich kaum erhalten können. Apa bedeutet die meiste Erfahrung, die stärksten Sherpas, das No Limits Team bedeutet beste Logistik. Für meine weitere Planung bedeutet das alles jedoch noch nicht allzuviel. Will Cross aus dem US-Team soll angeblich in drei Tagen in Lukla eintreffen, vielleicht kann ich mich ja seinem Basecamp Trek anschließen. In Namche lasse ich mir noch einmal die Haare schneiden und mich rasieren. Es kostet doppelte so viel, wie in Kathmandu. Die Massage lehne ich dankend ab und steige in 45min hinauf nach Khumjung. Dort wartet schon ein aufgeregter Nepalesischer Guide auf die Ankunft der koreanischen Lhotse Shar Mannschaft. Jetzt bekomme ich auch Mr. Em zu Gesicht. Er trägt einen braunen Hut mit Krempe als Markenzeichen und jeder im Team hat irgendwo einen Aufnäher mit seinem Konterfei. Als sich ein Nepalese unerlaubt entfernt, wird er von einem der Leader scharf zurechtgewiesen: "You go somewhere, you tell me!" .Die Koreaner bestellen Bier, holen ein Kartenspiel heraus. Dollarscheine wechseln den Besitzer...... 26.3.06 Khumjung, 3800m Ruhetag. Von den polternden Bergstiefeln der Lhotse-Shar Mannschaft geweckt, döse ich vor mich hin, bis nach zwei Stunden endlich Ruhe einkehrt, dann kann ich noch etwas schlafen, die letzten Wochen haben wohl doch Spuren hinterlassen! Später stehe ich mit meiner Teetasse vor der Lodge in der Sonne, da kommt Pemba Shiri vorbei, er sei auf dem Weg, Infos aus Kathmandu zu beschaffen. Abends gehe ich zu seinem Haus, "Isse Snooker" erfahre ich, also mache ich mich auf zum Snooker-Haus, doch es ist verschlossen. Dann muss ich eben noch eine Weile warten.. Ich bin der einzige Gast in der Lodge, dementsprechend langweilig geht der Tag zu Ende. Ohne Ablenkung verfalle ich schnell ins Grübeln, ich muss auf meine Gemütslage aufpassen! 27.3.06 Khumjung, 3800m Morgens steige ich an der Flanke des Khumbi Yul Lha, etwa 600m in 50min hinauf. Der Berg ist den Sherpa heilig und darf deshalb nicht bestiegen werden. Genehmigungen werden selbstverständlich nicht erteilt, und auf illegale Besteigungen stehen empfindliche Strafen und ein 10jähriges Einreiseverbot nach Nepal für Ausländer. Mit einem nepalesischen Guide malte ich mir bereits aus, dass es für etwaige Erstbesteiger trotzdem besser wäre, beim Abstieg die Polizei zu rufen, statt sich den Zorn der Sherpa zuzuziehen. Mit 4420m komme ich jedoch nicht einmal annähernd in Gefahr, den 5761m hohen Gipfel zu entweihen. In etwa 4300m setze ich mich eine Weile in die Sonne. Hier ist die Felswand über und über mit Gebetsfahnen tapeziert. Davor sind zwischen Holzpfählen viele weitere Fahnen aufgehängt. Der Wind peitscht den Hang hinauf und spannt die Fahnen zu einem flatternden Halbkreis. Als ich absteige, sehe ich auf dem Hof des Khumjung Hotels viele Menschen und Material. Dort zeigt mir Pemba stolz die ersten Säcke unserer Expedition. In vier Tagen soll alles auf die Reise ins Basislager gehen. Die persönlichen Ausrüstungsgegenstände kommen erst ab 4.April nach. Es bleibt dabei, vor dem 10. April ist das Basislager nicht besetzt! Ich beschließe, noch etwas hier zu bleiben. Mehr als zehn Tage sollte ich selbst bei allergrößter Langsamkeit nicht bis ins Basislager benötigen. Im letzten Jahr waren wir fünf Tage unterwegs.... Ich erfahre, dass Josef abgesagt hat. Damit sind nur noch Klaus und ich aus dem deutschsprachigen Raum dabei. Spätestens am 31.3. werde ich Khumjung verlassen, vielleicht mit einem Seitentrip über Chukung noch ein mir unbekanntes Tal besuchen. Auf der Lodge herrscht wieder Hochbetrieb, eine Gruppe Franzosen, die ich vom Goyko-Trek kenne und eine Gruppe Engländer, alle auf dem letzten Teilstück ihrer Reise übernachten hier. 28.3.06 Khumjung, 3800m Sehr schlecht geschlafen, ich habe wohl zuviel Milchtee gestern abend getrunken. Nach dem obligatorischen Müsli steige ich wieder am Khumbi Yul Lha hinauf, heute ist es windiger und stark bedeckt. Als ich wieder unten bin, merke ich meine Knie, ich muss auf sie aufpassen, darf das ganze Training nicht übertreiben. In sechs Wochen muss alles stimmen! Vielleicht sollte ich doch einen Träger für den Trek ins Basislager anheuern. Wieder auf der Lodge, steht Ngima in der Küche, er ist mit zwei Japanern unterwegs. Wir essen zusammen und scherzen ein wenig. Er geht morgen weiter ins Everest-View Hotel, dort gibt es Zimmer mit Überdruck und Sauerstoffflaschen... Abends treffe ich noch Bernd, einen deutschen Entwicklungshelfer, er meint, dass sich bald politisch etwas tut, von Militärdiktatur bis Königflucht sei alles möglich. 29.3.06 Khumjung, 3800m Ngima zieht mit den Japanern los. Zum Abschied schenkt er mir eine Kata, einen Gebetsschal und wünscht mir viel Glück. Ich gehe das Tal hinauf nach Khunde. Dort steige ich auf dem Rücken zum höchsten Punkt bis auf 4200m hinauf. Von dort kann ich bis nach Thame hinübe schauen. Leider trübt milchiger Dunst, der aus dem Tal empor steigt, den Blick. Es scheint irgendwo zwischen Lukla und Namche zu brennen! Dazu weht ein eisiger Wind. Ich gehe den Rücken hinunter, von Stupa zu Stupa, bis ich in ein flaches, almähnliches Hochtal komme. Um elf Uhr bin ich wieder zurück in der Lodge. Ich sortiere aus, was ich für den Trek ins Basislager nicht mehr benötige. Die Tasche werde ich Pemba Shiri geben. 30.3.06 Khumjung, 3800m Wie auch gestern schon steige ich auf den Khunde Peak, Nach zwei Stunden bin ich wieder da. Die Vorakklimatisation ist nun abgeschlossen, 11900 Höhenmeter insgesamt, ich denke, das soll genügen. Dann gebe ich meine Tasche im Khumjung Hotel ab, dort scheint niemand wirklich etwas damit anfangen zu können, ich lasse sie trotzdem in gutem Glauben da. Auf dem Rückweg treffe ich Pemba, er versichert mir, dass alles klappen wird, im Übrigen sei Apa bereits in Thame. Ich bin etwas beruhigter. Dann muss ich mein Zimmer räumen, eine große Truppe aus Deutschland benötigt alle Zimmer, ich komme in der Gompa unter... 31.3.06 Thengboche, 3890m Gegen viertel nach acht komme ich los, ich durfte im Gebettsraum schlafen, weil ich ja jetzt zur Familie gehöre, sagt der Hausherr, als ich mich dafür bedanke, vorher fotografiere ich noch eine Tonne der 1978er Everestexpedition, bei der Habeler und Messner erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff den Gipfel erreichten. Der Rucksack ist ungewohnt schwer, trage ich doch alles alleine. Am Dorfausgang treffe ich meinen Sirdar vom letzten Jahr. "Hello Mr. Drik" begrüßt mich Naga Dorje. Er ist in diesem Jahr mit einem Team aus Korea am Everest. Heute geht er nach Syangboche, das Gepäck seines Teams kommt aus Kathmandu mit einem russischen Hubschrauber. In drei Tagen will er im Basislager sein. Wir verabreden uns für dort. Der Abstieg ins Tal ist mühsam mit dem schweren Gepäck, der darauf folgende 650 Höhenmeter lange Anstieg ist hart, fällt mir aber zunehmend leichter und ich überhole spielend eine Trekkinggruppe die mit leichten Tagesrucksäcken unterwegs ist. Als ich nach zweieinhalb Stunden oben auf dem Berg Tengboche erreiche, bin ich zwar stark durchgeschwitzt, aber kaum erschöpft. Der Besitzer erkennt mich wieder und setzt mir eine große Schüssel Daal-Bath vor. Den brauche ich jetzt auch, habe ich doch etwa 2000 kcal verbrannt. Um drei blasen die Mönche zum Gebet. Aus allen Ecken strömen die Trekker zur Gompa, ich gehöre auch dazu. Ich stelle mich auf ein 80 minütiges Zeremoniell ein, doch nach einer halben Stunde ist alles vorbei, die Kurzversion für Touristen.. Abends treffen zwei Zwillingsschwestern aus der Schweiz ein. Sie kommen von Dingboche herab und so erhalte ich Informationen aus erster Hand über mein nächstes Ziel. "Wenn du gesund bleibst, dann kommst du auf den Gipfel" meinen sie. Woher sie nur diese Gewissheit haben? 1.4.06 Pheriche, 4200m Kaum in Tengboche gestartet, hänge ich hinter mehreren Yak-Karawanen fest. Der Pfad ist steil und schmal. An dem Zug vorbei zu kommen ist nicht so einfach, nähert man sich von hinten, werden die Tiere schneller, bergab gehen sie schnell und unberechenbar. Aber hinter ihnen kann ich nicht gleichmäßig genug gehen, ich gerate immer wieder aus dem Tritt. Eine ganze Stunde brauche ich, bis ich die etwa dreißig Tiere endlich an einem Steilstück auf einem Abschneider überholen kann. Dabei brauche ich meine ganze Kraft, aber ich kann endlich gleichmäßig weiter steigen. Die Wolken hängen tief, ich entscheide mich, in Pheriche zu bleiben. Nach drei Stunden bin ich da. Wie immer bläst ein kalter Wind über die Ebene. Die Vegetation ist nur noch minimal vorhanden. Ab hier beginnt endgültig Hochalpines Gelände. Auf der Hütte treffe ich Jack aus Colorado. Er versucht sich auch zum zweiten Mal am Everest. Er ist mit IMG-International Mountain Guides unterwegs. Sein Team zeltet bereits vier Stunden entfernt in Lobuche, darunter auch Dave Hahn, er war dabei, als der Körper von Mallory hoch oben am Everest gefunden wurde. Diesmal will er zum siebten Mal den Gipfel erreichen. Abends fängt es an zu schneien. 2.4.06 Pheriche, 4200m Lara´s 9.Geburtstag Natürlich ist am Geburtstag meiner großen Tochter wunderschönes Wetter. Die Berge erstrahlen schneeweiß und ich lege einen Rasttag ein. Ich schaue herab auf den einzigen Weg durch Pheriche und da sehe ich Naga Dorje kommen. Von weitem erkenne ich ihn an seinem Gang. Er will heute noch nach Gorak-Shep und lädt mich ins Basislager ein: "If you are too bored, come up and stay with us". Ich nehme die Einladung gerne an, werde nun ohne Umweg, aber in kurzen Abschnitten aufsteigen. Nachmittags gehe ich aus Langeweile zur Pheriche Höhenklinik und höre mir einen Vortrag über die Höhenkrankheit an. Neues erfahre ich nicht, jedoch werden danach im Rahmen einer Studie meine Sehnerven mittels Ultraschall vermessen. Steigt der Hirndruck, so ändert sich auch der Durchmesser des Sehnervs, so die Theorie. Abends treffen zwei Welten in der Lodge aufeinander, während sich ein Andalusisches Team mit Laptops beschäftigt, zündet ein Russisches Team ein dutzend Teelichter an und spielt auf der Mundorgel. 3.4.06 Dughla 4600m Leicht heraufgekommen, trotzdem war der Morgen mit Hindernissen behaftet. Nachdem ich mit klammen Händen zuviel Desinfektionsmittel in mein Trinkgefäß geschüttet habe, gehe ich ohne Wasser los, kurz darauf fällt mir ein, dass ich keine Funktionsunterwäsche anhabe, ich muss mehrmals anhalten bevor ich alles wieder geregelt habe und in meinem Mantraähnlichen Trott unterwegs bin. An den schweren Rucksack habe ich mich inzwischen gewöhnt, er ist unbequem, stört mich aber beim Steigen nicht. Die Lodge ist fast leer, tagsüber machen viele Trekker Halt auf halbem Wege nach Lobuche. Ich muss nach wie vor Zeit schinden, und so lege ich hier einen Stopp ein. Abends tauchen dann doch noch sechs Trekker auf. Ein Australisches Pärchen hat es nicht nach Lobuje herauf geschafft. AMS, Akute Bergkrankheit hat ihn gestoppt. Kopfschmerzen, Erbrechen, akute Atemnot, da hilft nur Absteigen. Ein Landsmann von ihnen gibt gute Ratschläge: "Einfach die doppelte Portion Diamox schlucken und nochmal probieren". Diamox hilft bei der Akklimatisierung indem es harntreibend wirkt und den durch die erhöhte Atemtätigkeit entstandenen Basenüberschuss ausgleichen hilft. 4.4.06 Lobuche, 4930m Diese Nacht war die Wärmste überhaupt. Die Sonne scheint in den Aufenthaltsraum und ich kann im T-Shirt frühstücken. Der Anstieg auf die Moräne des Khumbugletschers ist steil, macht mir aber keine Mühe, im letzten Jahr musste ich mich mit einem leichteren Rucksack mehr schinden. Eineinhalb Stunden brauche ich bis zur ECO-Lodge. Auch hier erkennt man mich sofort. "You are the Leader who had to descent, because he was sick". Während des Mittagessens kommen viele Yaks herauf. Ich erkenne sofort meine Transportsäcke. Der Yaktreiber sagt, Apa kommt morgen herauf. Damit hat das Warten ein Ende und ich kann jetzt zügig in das Basislager aufsteigen. Später treffe ich Will Cross. Nun erfahre ich erstmals Einzelheiten über den gescheiterten Gipfelversuch meines Teams im letzten Jahr. Der positive Wetterbericht kam so spät, dass das Team Hals über Kopf aufbrach und zur größten Mittagshitze im Eisbruch war. Beim eigentlichen Gipfelanstieg fehlten die Fixseile und der Schnee war zu tief, der Wind zu stark. Will: "Niemand hat verstanden, warum sie losgingen". Morgen werden wir zusammen nach Gorak Shep gehen. 5.4.06 ,Gorak Shep 5200m Über Moränen führt der Weg auf und ab. Es fällt mir leicht, obwohl es teilweise sehr steil ist. Trekkinggruppen stauen sich vor den Anstiegen. Gorak Shep war der Startpunkt für die erfolgreiche 1953er Expedition. Die umliegenden schneebedeckten Gipfel, Pumori, Nuptse, Khumbutse,Shangtse und Everest Westschulter begrenzen den Horizont nach allen Seiten. Nachmittags steige ich noch auf 5600m hinauf. Die schwarze Gipfelpyramide des Everest und der Khumbugletscher mit seinem Eisfall liegen direkt vor meinem Auge. Bunte Punkte auf dem Gletscher zeugen vom Basislager. Will versucht vergeblich zwei Zimmer zu bekommen, wir müssen uns eines teilen. Meine Pritsche ist schmaler als eine Isoliermatte und ich verbringe eine unangenehme Nacht. 6.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Wir steigen bei sonnigem Wetter über die Möränen weiter auf. Von Süden ziehen jedoch bereits morgens Wolken auf. Der vor Jahren abgestürzte russische Helikopter liegt immer noch kurz vor dem Basislager. Trekker sitzen im Cockpit und funken Mayday. Bei Naga Dorje trinke ich Tee, dann steige ich weiter auf zu unserem Lager. Es liegt sehr nahe am Eisfall. Man hat offensichtlich nicht mit uns gerechnet, das Lager ist noch mitten im Aufbau. Trotzdem bekommen wir Suppe und warmen Fruchtsaft. Es schneit, die Sherpas bauen schnell zwei Zelte auf. Sie sind unser Zuhause für die nächsten sieben Wochen! 7.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Der Everest begrüßt uns mit mehreren laut krachenden Lawinen, der Gletscher unter uns kracht laut. Die Nacht ist eiskalt. Will´s Taschen sind noch nicht aufgetaucht, ich gebe ihm einen meiner Schlafsäcke. Um acht Uhr kommt die Sonne endlich über die Everest-Westschulter und die eisige Kälte weicht wohliger Wärme. Ich helfe den Sherpas das Gemeinschaftszelt aufzubauen. Stundenlang schaufeln und schleppen wir Geröll, hacken Eis klein, bis die Plattform endlich gerade ist. Will hatte von einem Zelt mit Teppichboden gesprochen, doch Tische und Stühle sinken im Geröll ein - Asian Trekking Standard. Jede Anstrengung lässt mich heftig atmen, trotz aller Vorakklimatisation, doch auch die Sherpas machen immer wieder ausgiebige Pausen. 8.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Die Nacht war relativ warm, es schneite 20cm und so konnte es nicht so stark auskühlen. Ich packe meine Taschen aus, bringe Ordnung in das Chaos, eine Tasche für die Technik, eine für die Kletterausrüstung. Die Bekleidung muss noch warten, eine Packung Kohlenhydratgel ist beim Transport geplatzt und hat die Tasche verklebt. Nachmittags gehen Will und ich den Gletscher herab, zwischen allen Lagern hindurch, immer über Geröll, Auf und Ab, am ausgeweideten Transporthubschrauber vorbei, bis auf einen Schuttrücken kurz vor dem Pumori Basislager. Auf dem Rückweg rasten wir kurz, da taucht Apa auf. Als ich "Hallo Apa" rufe zuckt er zusammen, glaubt er doch, er müsse sich schon wieder fotografieren lassen - er wäre in halber Zeit im Basislager gewesen, hätte er nicht immer wieder für ein Foto anhalten müssen. Ich zeige ihm den Weg durch das Geröll zum Lager. Sofort übernimmt er die Kontrolle über sein Team aus Thame und erteilt Kommandos. Dann winkt er Will heran: "I have to speak to you" Wills Gepäck ist immer noch spurlos verschwunden. Er soll Kathmandu anrufen, aber das Büro ist verwaist. 9.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Apa lässt die Toilettenzelte versetzen, das Gemeinschaftszelt erhält den versprochenen Teppichboden und das Duschzelt wird aufgestellt. Richtig gemütlich wird es! Es ist windstill und sehr heiß, ich wasche die verklebte Kleidertasche aus, die Gelpacks mit warmem Wasser aus, die Sonne trocknet alles im Nu. Nachmittags gehen wir wieder durch die Moränenlandschaft. In Kathmandu steht alles still. Die Streikaufforderung der Maoisten wird mit einer Ausgangssperre der Regierung beantwortet. Wills Gepäck soll jetzt entweder in Tibet oder am Manaslu stecken... 10.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Um sieben Uhr morgens werde ich mit einem "Good morning - Tea" geweckt, Tee ans Bett! Apa verschiebt das Frühstück nach vorne. Richtig viel zu tun gibt es für uns noch nicht, die Pujafeier ist in vier Tagen geplant - Karfreitag. Vorher wäre es ungeschickt, den Eisfall zu betreten, würden wir doch den Zorn des Berges -Sagarmathas riskieren, zu mindestens würden uns die Sherpas für alles Unglück verantwortlich machen. Trotzdem ziehen andere Teams bereits los, kleine schwarze Punkte im unteren Drittel des zerklüfteten Eisfalls. Vormittags kommt Julie Smith ins Camp. Im letzten Jahr traute sie dem Wetter beim Gipfelversuch nicht, jetzt hofft sie auf eine bessere Saison. Kurz vor dem Mittagessen taucht Myung Joon Kim -M.J. mit acht Trekkern auf. Sie kommen aus Los Angeles und tragen die Fahne des Koreanisch-Amerikanischen Bergsteigervereins. Die Trekker bleiben zwei Tage, M.J. steigt mit uns. Das Essen wird zur Nebensache, M.J. befragt uns zu unserer Bergsteigerkarriere, die Trekker schreiben eifrig mit. Nach dem Essen findet ein Fototermin mit den Koreanern statt. Dreimal werden Will und ich zurückgepfiffen, bis wir endlich zu unserer üblichen Wanderung loskommen. Abends schneit es, beim Abendessen stößt Jeff Warden aus Kanada zu uns. Jeff ist Rettungssanitäter und fliegt Rettungseinsätze für die Kanadische Armee. Er unterhält sich mit Julie ausgiebig über die kanadischen Berg und Küstenregionen. Vor sechs Jahren endete sein erster Versuch am gelben Band kurz unterhalb des Südsattels in der Lhotseflanke. 11.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Ungemütliches Wetter, Wind und Wolken lassen der Sonne zunächst keine Chance. Ich lasse es ruhig angehen, nähe einige Löcher, ziehe meinen Klettergurt an, probiere verschiedene Kleiderschichten aus. Nachmittags steige ich an der Pumoriflanke direkt in Richtung Lager 1. Der Everestgipfel ragt gegenüber in den Jetstream hinein und erzeugt eine gigantische Wolkenfahne. Nach drei Stunden gehen ohne Pause bin ich wieder im Zelt. 12.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Ruhe und Waschtag. Will jagt immer noch hinter seinem Gepäck her. Es wird in Tibet vermutet, doch genaues weiß niemand. Die Nachrichten aus Kathmandu sind beunruhigend: Streik, Ausgangssperre, Schiessbefehl, Tote. Doch hier geht alles seinen gewohnten Gang. 13.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Kurz nach dem Frühstrück, ich sitze im Zelt, höre ich in breitestem Cowboy-Amerikanisch "I´m Roger, the Basecampmanager!". Team No-Limits ist eingetroffen. Doug, 9 Jahre im US-Militär, jetzt Anwalt, Matt, Lehrer für Mathe und Naturwissenschaften, Larry, Arzt und Roger, Krankengymnast. Jetzt fehlt nur noch Klaus. Wir trinken Tee und beschnuppern uns. Der Eisfall ist seit heute bis zum Lager eins versichert, die Sherpas reservieren einen Platz am Beginn des Western CWM. 14.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Karfreitag. Blauer Himmel, windstill. Warten auf den Lama, er wird unsere Puja-Zeremonie halten. Rund um die Stupa die unsere Sherpas errichtet haben, legen wir unsere Kletterausrüstung aus. Nach dem Mittagessen geht es los. Wir sitzen nebeneinander, in der Mitte der Lama, daneben Apa. Stundenlang liest der Lama Gebete vor. Immer wieder dreht der Wind und bläst den Rauch der Räucherware in seine Richtung, dann hustet er, und seine Stimme setzt aus. Zum Abschluss der Feier wird ein Holzpfahl inmitten der Stupa versenkt. Er trägt die Gebetsfahnen, sie überspannen nun unser Lager in alle Himmelsrichtungen. Abends knickt mein rechter Fuß auf dem Weg zum Essenszelt um und ich verstauche meinen Knöchel. Schlimmer hätte es kaum kommen können, denn morgen gehen wir zum ersten Mal durch den Eisfall. 15.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Morgens um sechs gehe ich los. Es ist eiskalt, und der Knöchel schmerzt bei jedem Schritt. Meine Zehen sind eiskalt. Trotzdem komme ich gut voran, überhole bald das eine halbe Stunde vor mir gestartete Team. Der Eisfall ist gut zu begehen, weniger Leitern als im letzten Jahr, der Weg erscheint mir aber länger. Kreuz und quer, auf und ab, klettere ich durch das Eis. Bald spüre ich meinen Knöchel nicht mehr, die Zelte im Basislager sind nur noch bunte Punkte. Zwei Stunden später steigt die Sonne über den Everest und die Kälte weicht sofort einer brütenden Hitze. Die letzte Querung vor dem Ausstieg ins Tal des Schweigens führt über Blankeistrümmer eingestürzter Seracs. Zwei dieser Eistürme ragen noch haushoch und schief über der chaotischen Szene. Ich sehe zu dass ich weiterkomme. Plötzlich habe ich den fürchterlichen Bruch hinter mir, vor mir am Ende des Tales steht die Lhotse Wand, an ihrem oberen linken Ende der Südsattel. Alles sieht so nah aus, dennoch sind es mindestens zwölf Stunden harte Arbeit bis dorthin. Zwölf Stunden bergauf, zwölf Stunden ohne genügend Sauerstoff. Ich gehe bis etwa 6000m, dann steige ich durch den Bruch zurück ins Basislager ab. Fünf Stunden bin ich unterwegs, drei hinauf, zwei hinab. Dabei verbrenne ich etwa 4000 Kilokalorien. Den Rest des Tages liege ich im Zelt. 18.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Eingeschneit! In der Nacht zieht ein Gewitter über uns hinweg, dann schneit es ununterbrochen weiter. Niemand bewegt sich mehr als nötig. 19.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Schnee - Nichts als Schnee... 20.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Endlich strahlender Sonnenschein. Wir graben das Lager aus. Lawinen donnern überall herab, "cleaning" nennt Apa das. Wir warten deshalb noch ab. Im Lager eins hängen immer noch Bergsteiger fest. Sie versuchen abzusteigen, bleiben jedoch im Tiefschnee stecken. Aufsteigende Sherpas kommen ebenfalls nicht weiter. 21.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Alle unsere Sherpas sind unterwegs im oberen Teil des Eisbruchs, als der Himmel über ihnen zusammenbricht. Ein hausgroßer Eisblock stürzt um, wirft einen ähnlich großen Block um und fegt drei Menschen einfach so davon, begräbt sie unter vielen Tonnen blauen Eises. Aus unserem Team sterben Lhakpa Tseri und Dawa Temba. Zunächst sind die Meldungen widersprüchlich und Jeff und ich ziehen die Kletterausrüstung an, Apa rennt durch den Eisfall, vielleicht sind unsere Freunde ja noch zu retten. Ich kenne die Stelle im Eisbruch, pures Eis, ich habe keine Hoffnung. Pasang Nuru kommt drei Stunden später herab, er war im Eis eingeklemmt, hat schwere Prellungen an beiden Hüften, Mingma Tensing hat eine Prellung am Knie, Lhakpa Nuru trägt eine leichte Prellung am Brustkorb davon. Es ist der erste tödliche Unfall der sich unter Apas Regie ereignet. Wir sind entsetzt, der Rest des Tages vergeht mit Versuchen die Familien der Opfer zu erreichen, die Behörden zu informieren. Larry verarztet die Überlebenden . 22.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Niemand klettert heute. Alle sind wie gelähmt. Doug und Roger helfen Apa durch den unausweichlichen Papierkram. Anzeigen bei Polizei, Versicherung und Regierung sind zu machen. Nachmittags trifft Klaus ein. Er ist überzeugt, dass es diesmal klappt, redet von Gipfelfotos, doch zunächst muss Apa sein Selbstvertrauen wiederfinden. Spät abends entsteht erstmals wieder ein Plan. Morgen steigen die unverletzten Sherpas auf und lesen die nach dem Unfall liegen gebliebenen Lasten aus dem Eisfall auf, bringen sie zu Lager eins. Apa geht nach Namche, informiert die Behörden, spricht mit den Familien der Getöteten. Wir steigen übermorgen zum Lager eins auf, bleiben zwei Nächte und gehen dann zum Lager zwei auf 6400m hinauf. 24.4.06 ,Lager l, 6100m Um 5 Uhr steigen John, MJ, Julie, Matt, Jeff und Doug zusammen mit den Sherpas auf. Klaus und ich gehen um sieben. Um sechs Uhr bildet sich dichter Nebel, doch als wir losgehen hat er sich wieder aufgelöst. Wir brauchen vier Stunden bis Lager eins, überholen MJ und John, kommen kurz nach den Anderen an. Es schneit, es gibt nicht viel zu tun. Das Lager besteht aus sechs kleinen Zelten, die zwischen den großen Spalten im Tal des Schweigens stehen. Die nächsten 20 Stunden liegen wir im Zelt. Es gibt Nudelsuppe. 25.4.06 ,Lager l, 6100m Um acht findet die Sonne endlich ihren Weg über den Everest-Nordgrad und wir gehen zum Lager II. Zunächst verläuft der Weg in großen Serpentinen, nützt die Brücken zwischen den riesigen Spalten aus. Wir brauchen eine Stunde, bis die letzte Spalte hinter uns liegt. Es folgt eine einstündige Traverse hinüber zu den Felsen, auf denen Lager II steht. Die ganze Zeit kann ich die Zelte sehen, aber sie kommen einfach nicht näher. Nach zwei Stunden erreichen wir die ersten Zelte, doch unser Lager steht am oberen Ende und wir steigen noch eine halbe Stunde steil bergauf, bis wir endlich da sind. Es gibt Tee und Nudelsuppe und unsere Sherpas sind noch mitten im Aufbau. Eine halbe Stunde bleibe ich hier, dann steige ich ab nach Lager I. Ich brauche nur eine Stunde, doch kaum bin ich dort, schneit es wieder. Diesmal bin ich 19 Stunden ans Zelt gefesselt und es gibt wieder Nudelsuppe. 26.4.06 ,Lager II, 6420m Wie auch gestern sind wir hier herauf gekommen, heute nur unwesentlich schneller. Diesmal ist das Lager fertig. Neben unseren Zelten steht ein Koch- und ein Essenszelt. Im Kochzelt ist es warm, im Essenszelt eiskalt. Trotzdem ist es angenehmer als im Lager I. Wir können wenigstens die Schlafsäcke verlassen und auch ein wenig sitzen. Abends schneit es wieder, diesmal etwas mehr als gestern, hoffentlich sind die Spuren für den Abstieg noch zu erkennen. Neben ihnen ist der Schnee grundlos, lauern Spalten. 27.4.06 ,Everest Basislager, 5300m Um fünf bin ich wach, freue mich auf den Abstieg, doch ich muss noch drei Stunden warten, bis die Sonne endlich das Zelt erwärmt. Nach Müsli und Milchtee gehe ich los, drei Stunden später bin ich im Basislager. Die Spur ist kaum verweht, der Schnee macht den Abstieg durch den Eisbruch fast angenehm, weil die Steigeisen kaum verkanten. Die Eisfall-Doktors haben den Weg um das eisige Grab unserer Freunde herumgelegt. Ich muss so nicht mehr direkt über sie steigen und der Weg ist auch sicherer so. 28.4.2006, Everest Basislager, 5300m Larry braucht 10 Stunden über den Eisbruch in Lager I. Hektisch wird nach Sauerstoff gesucht. Das Team von IMG hat welchen in Lager eins. Doch Larry benötigt am Ende doch keinen, wird jedoch morgen wieder mit Sherpa-Unterstützung absteigen müssen. Wir haben etwa vier Stunden für den gleichen Weg benötigt. 29.4.06, Everest Basislager, 5300m Apa schickt Ang Passang zu Larry nach Lager I hinauf. Mingma begleitet Larry herab. Alle drei kommen gegen 13 Uhr ins Basislager. Für Larry ist die Expedition vorbei, wir sind alle froh, dass es ihm gut geht. Will und Doug steigen ins Lager II auf. Jetzt muss ich warten, bis Zelte im Lager III stehen, dann beginnt die letzte Akklimatisierungsrunde. Nachmittags wiegt Apa die Sauerstoffflaschen. Jede muss mindestens 2,5kg wiegen, sonst ist sie nicht ganz voll. Die Druckanzeige ist wegen der Temperaturschwankungen zu ungenau. 30.4.06, Everest Basislager, 5300m Auf der Nordseite befestigt ein Sherpateam die Seile bis ganz hinauf. Sechs Sherpas erreichen den höchsten Punkt der Erde. Der Wetterbericht verspricht zwei schöne Wochen auch bei uns, auf der Südseite. Der Weg zum Südsattel soll in den nächsten beiden Tagen versichert werden. Findet sich dann ein Team, das den Weg über den Balkon zum Gipfel versichert, dann wäre auch für uns der Weg bald frei. Abends erreichen uns Gerüchte, wir hätten nicht alles zur Bergung unserer toten Sherpas getan. Apa geht mit Roger und dem Sirdar von IMG, sowie deren Basecamp Manager zum Ursprung der Gerüchte, den Icefall-Doctors vom Sagarmatha-Polution-Control-Commitee, SPCC. Sie sollen morgen die Stelle untersuchen und einschätzen, ob es dort ungefährlich möglich ist, die Tonnen von Eis zu zerbrechen, wegzutragen, und vielleicht die Toten zu bergen. Ich bin seit dem Unfall zweimal dort gewesen, dort war nichts außer Eis und gefährlich überhängenden Eiswänden zu sehen. Wer soll dort eine unabsehbar lange, gefährliche Suchaktion verantworten? 1.5.06, Everest Basislager, 5300m Erneuter Unfall im Eisbruch. Doug und Will steigen von Lager II durch den Bruch ab. Im unteren Drittel treffen sie auf einen verwirrten, desorientierten, italienischen Bergsteiger. Er weiß weder seinen Namen noch kann er zählen. Offensichtlich hat ihn etwas am Kopf getroffen. Doug alarmiert uns über Funk, wir informieren die Basislager Klinik. Der Italiener wird auf eine Leiter gebunden und abtransportiert. Immer mehr Bergsteiger kommen während des Abstiegs zu Hilfe, am Ende des Eisbruchs sind es weit mehr als zwanzig. Bevor der Rettungshubschrauber landen kann, verschlechtert sich das Wetter und es schneit. 2.5.06, Everest Basislager, 5300m Der verletzte Italiener hat sich soweit erholt, dass er zum Hubschrauber gehen kann. Larrys Gepäck fliegt mit nach Kathmandu. Wir machen einige Gruppenfotos, dann verabschieden wir uns von Larry. Er trekkt nach Thame, möchte die Familien unserer im Eisbruch umgekommenen Sherpas besuchen. Der Wetterbericht verspricht gutes Wetter in den nächsten zwei Wochen. Klaus und ich wollen versuchen, die Logistik soweit hinzubiegen, dass wir einen Versuch um den 14. herum machen können. 3.5.06, Everest Lager II, 6420m Wir dürfen ein Zelt von Naga Dorjes Expedition in Lager II benutzen und so steige ich in knapp 6 Stunden vom Basislager ins Lager II auf. Klaus filmt im Eisbruch und kommt nach. Die Lhotsewand überragt hier alles. Morgen wollen wir sie zur Hälfte durchsteigen. Die Zelte sind nur winzige dunkle Pünktchen in einer weißen Wand. Blaues Eis spiegelt das grelle Sonnenlicht. 1500m höher bildet der Südsattel eine Mulde zwischen Everest und Lhotse. Hier soll das letzte Lager vor der Gipfeletappe aufgebaut werden. 4.5.06, Everest Lager III, 7200m Wir gehen etwa eine Stunde bis wir die Fixseile an der Lhotsewand erreichen. Doch heute morgen fegt ein eisiger Wind die Flanken des Everest herab. Ich habe keine Daunenjacke dabei, muss umdrehen. Zurück in Lager II hat sich der Wind gelegt. Also gehe ich wieder los. Es ist nun warm und ich habe keine Probleme mit meiner Steigklemme die fast senkrechten Eisplatten zu überwinden. Klemme hochschieben, Steigeisen in das Eis rammen, stundenlang schaffe ich mich so hinauf. Die letzte Stunde klettere ich im Nebel. Ich muss die Zelte finden! Plötzlich tauchen die Zelte schemenhaft auf. Sie stehen auf einem Balkon aus Eis, nach oben und unten nur Luft.. Klaus kocht schon, das Zelt ist klein, die Nacht wird sehr eng werden. Der Nebel löst sich auf, tief unter uns das Western CWM, unendlich weit weg, die Berge die das Basislager dominieren, über uns der Everest-Südgipfel. Die Nacht besteht aus Dämmerzuständen, kurzen Traumphasen, vier-fünf mal muss die Blase entleert werden, der Atem gefriert an den Zeltwänden. Sehr unangenehm... 5.5.06, Everest Basislager, 5300m Gegen sechs machen wir uns fertig zum Aufbruch. Es kann immer nur einer packen, zu klein ist das Zelt. Wir seilen die Lhotsewand ab, an den steilsten Stellen kommen uns Sherpas entgegen, es dauert lange, bis wir wieder freie Bahn haben. Wir sind rechtzeitig zum Frühstück in Lager II, dann steige ich in etwa drei Stunden durch das Western CWM und den Eisbruch ins Basislager ab. Dort erfahre ich, dass Matt gestern mit Herzproblemen den Aufstieg zum Lager II abbrechen musste, und heute Morgen mit dem Hubschrauber nach Kathmandu ausgeflogen werden musste. Wir hoffen, es ist nichts Schlimmeres. Mit der Nacht in Lager III ist die Akklimatisation beendet. Jetzt muss Wetter und Logistik stimmen, dann kann ich einen Gipfelversuch wagen. Meinen Höhenrekord vom Aconcagua habe ich eingestellt, sogar am höchsten Punkt geschlafen, kein Zweifel, 8000m ohne Sauerstoff sollte kein Problem sein. 6.5.06, Everest Basislager, 5300m Widersprüchliche Wetterberichte. Bis 11. oder gar bis 15. soll das Wetter gut bleiben, doch was bedeutet "gut" genau? Alle großen kommerziellen Teams gehen zunächst zurück ins Tal zur Erholung, damit ist fraglich, ob und wann Fixseile bis zum Gipfel gelegt werden. Ohne Fixseile ist der Auf und vor allem der Abstieg für mich nicht zu verantworten. Bleibt nur Abwarten. Es gibt Gerüchte, nach denen die Schweizer den 14. als Gipfeltag anpeilen. Vielleicht können wir uns ja dort anhängen. 7.5.06, Everest Basislager, 5300m Kaum geschlafen, Schnappatmung, Paranoia, Lager III fordert seinen Tribut. Alle Schleimhäute sind völlig ausgetrocknet, ich muss noch mehr trinken und die Nasenschleimhäute anfeuchten. Mittags wird es sehr heiß im Zelt. Ich stelle mir vor, ich läge am Strand und schlafe zwei Stunden. Abends geht es mir besser. IMG hat zwei Bergsteiger unter Sauerstoffmasken bei 5 Liter/min in Lager II. Bei einem von ihnen war in der Lhotseflanke eine Beeinträchtigung auf der linken Körperseite aufgetreten. Natürlich gibt es eine medizinische Vorgeschichte (Stent).... MJ und Julie sind zurück in Lager II, Doug, Jeff und Will sind auch dort, machen Station auf dem Weg nach Lager III. 8.5.06, Everest Basislager, 5300m Hervorragend geschlafen, noch ein Tag hier, und ich bin wohl wieder fit. Prima Wetter, kaum Wind, fast ist er warm.. Es wird Frühling, auch auf 5300m. 9.5.06, Everest Basislager, 5300m Mindestens eine Woche Verzögerung! Noch liegen keine Seile bis zum Gipfel und es soll am 14.-15. mehr Schnee geben. Frühestens um den 20. herum soll alles fertig sein. Nun heißt es abwarten. 10.5.06, Everest Basislager, 5300m Jeff und Will kommen zurück von Lager II. Die Verbindungsoffiziere jagen Bergsteiger ohne Genehmigung. Schwarzbergsteigen kostet 20000 $... Pasang Nuru, vor drei Wochen fast verschüttet, geht wieder durch den Eisbruch. Er hat immer noch Schmerzen im Knöchel. Apa setzt ihn behutsam ein. Doug geht zum Lager III, dann zurück nach II. Nachmittags findet das mit Spannung erwartete Fixseilmeeting bei IMG statt. Am 15. soll ein siebenköpfiges Sherpateam unter Sauerstoff die Fixseile zum Balkon bis auf 8400m legen. Von dort aus muss dann das erste Gipfelteam weiterversichern. Ein Tschechischer Bergsteiger stürzt beim Abstieg vom Lhotse und stirbt oberhalb Lager III. Er war ohne Fixseile unterwegs... 11.5.06, Everest Basislager, 5300m Roger trekkt nach Gokyo, Doug steigt ins Basislager ab. Wir räumen das Aufenthaltszelt aus und ebnen den Boden neu. Von Norden gibt es erneute Gipfelbesteigungen. Mr. Park aus Korea überschreitet von Norden her den Gipfel und muss ohne Fixseile zum Südsattel absteigen. Er kommt dort neun Stunden später an. Dort findet er keine aufgebauten Zelte, so muss er in der Nacht weiter die Lhotseflanke hinunter bis zum Lager III. 12.5.06, Everest Basislager, 5300m Morgens um sechs fegt eine Lawine über den oberen Eisbruch. Pasang Nuru steigt dort gerade auf. Gottseidank wird er nur eingestaubt. Es wird spannend! Am 15. soll ein gemischtes Sherpateam den Weg zum Balkon fixieren, Tags darauf wollen die Schweizer den restlichen Weg zum Gipfel versichern. Am nächsten Tag plant Jagged Globe aus England den Gipfelangriff. Apa meint, wenn das Wetter gut sei, wären wir nun bereit, doch zunächst möchte er sichergehen, dass die Fixseile auch bis zum Gipfel gelegt sind. Die Wettervorhersage ist bis auf weiteres gut. 13.5.06, Everest Basislager, 5300m Trotz aller guter Wettervorhersagen ist das Wetter den ganzen Tag schlecht. Nebel, Wind, Schneeregen. Wir schauen DVDs und schlagen uns den Tag im Zelt um die Ohren. 14.5.06, Everest Basislager, 5300m Der Tag beginnt windig und mehrere große Lawinen stürzen von der Westschulter herab. Die Sherpas, die morgen den Weg vom Lager IV bis zum Balkon versichern sollen, drehen wegen zu starkem Wind wieder um. Auch die Schweizer scheinen auf der Bremse zu stehen, alles ist wieder offen. 15.5.06, Everest Basislager, 5300m Heller Aufruhr am Morgen. M.J. holt neues Wetter bei den Koreanern. Die Vorhersage ist weiterhin gut und so steigt er ins Lager II auf. Klaus holt einen neuen Bericht aus Innsbruck. Bis auf Weiteres kein Gipfelwetter! 16.5.06, Camp II, 6400m Morgens gehe ich mit Apa zu den Schweizern. Der Wetterbericht verspricht wenig Wind und kaum Niederschläge bis zum 19. Klaus und ich entschließen uns sofort aufzusteigen. Mingma weigert sich zunächst mitzukommen, er hält den Eisbruch für zu gefährlich um diese späte Uhrzeit. Apa überredet ihn. Um 0930 steigen wir in den Eisbruch ein. Es ist zunächst unerträglich heiss, im Western CWM ist der Himmel bedeckt und so wird der Weg lang, aber erträglich. Ich brauche fünfeinhalb Stunden. 17.5.06, Camp III, 7400m Obwohl die Lhotsewand sehr steil ist, fällt mir der Anstieg fast leichter als der gestrige Weg. Inzwischen bin ich die Höhe gut gewöhnt. Dennoch, zehn Meter steigen, zehn Atemzüge, zehn Meter steigen..... Nachmittags schneit es und wir verdösen den Abend. 18.5.06, Camp IV, Everest Südsattel, 7925m Der Weg durch die Lhotsewand ist lang und nicht immer einfach. Wir klettern über das Gelbe Band, hier hängen viele verschiedene Seile unterschiedlichen Alters und Qualität herab. Leicht kann man sich hier verheddern. Eine unendlich lange Querung führt den Genfer Sporn hinauf. An dessen Ende wartet der Südsattel. Kaum schauen wir um die Ecke, windet es gewaltig. Am Everest zeigen sich bizarre Wolkengebilde, sehr unangenehm sieht es dort oben aus, sehr unangenehm ist es auch hier. Die Zelte werden im Sturm aufgestellt, und der Wind lässt nicht mehr nach. Wir verbringen die Nacht unter Sauerstoffmasken. Um 2130 schaut Apa herein und sagt den Gipfelangriff ab. Zuviel Wind und jetzt auch noch Niederschlag. Wir kriechen tief in die Schlafsäcke. Zwei Stunden später plötzlich der Meinungsumschwung: Andere Teams kämpfen sich durch den Sturm, Niederschlag gibt es keinen mehr, dafür peitscht der Wind Schneekristalle durch die Luft. Apa drängt, Klaus entscheidet sich zu gehen. Als ich aus dem Zelt krieche, kann ich ohne Sturmbrille kaum sehen, die Sauerstoffmaske tut ihr übriges. Schemenhaft blinken die Stirnlampen an der Everestwand. Apa läuft los, mit ihm verschwindet Mingma im Schneegestöber. So hatte ich mir den Gipfelaufstieg nicht vorgestellt! Bei den Bedingungen sind Erfrierungen leicht möglich und ob ich unser Zelt ohne weiteres wieder finden kann, wenn ich muss ist auch zweifelhaft. So drehe ich um - kein Gipfel um jeden Preis! 19.5.06, Everest Basislager, 5300m Um sechs Uhr krieche ich hinaus in den Sturm, Schneeverwehungen versperren mir den Weg. Alle Spuren sind verweht und die Seile beginnen erst kurz vor der Lhotsewand. Plötzlich sehe ich, dass ein Steigeisen fehlt, so wäre ich in der Wand verloren! Ich gehe zurück, finde es. Bisher hatte ich in meiner gesamten Bergsteigerkarriere noch niemals ein Eisen verloren. Ich befestige es neu, meine Hand wird sofort taub von der Kälte. Dann steige ich wieder in die Lhotsewand ein, finde die Seile, doch sie sind unter Neuschnee begraben, ich muss sie alle mühsam herauszerren. Es dauert eine Ewigkeit, bis ich den Genfer Sporn im hüfttiefen Schnee herabgespurt bin. Außer mir ist keine Menschenseele unterwegs, und immer wieder zerrt der Wind an mir. Ich muss höllisch aufpassen hier oben, unter mir 1000m Eis mit Schneeauflage. Auf halber Strecke kommt mir Naga Dorje entgegen. Er ist stinksauer, muss Koreaner aus seinem Everest-Team retten... Jetzt kann ich wenigstens seiner Spur folgen und er folgt meiner nach oben. Irgendwann komme ich endlich ins Lager III. Dort machen sich unsere restlichen Teammitglieder bereit für den Abstieg - Der schlechte Wetterbericht hat sich herumgesprochen. Ich steige weiter ab nach Lager II und nach einer kurzen Pause durch das Western CWM und den Eisbruch bis ganz hinab ins Basislager. Der falsche Wetterbericht kostet mich zwar die Gipfelchance, aber immerhin habe ich einen neuen persönlichen Höhenrekord unter teils abenteuerlichen Bedingungen erreicht! Statistiken belegen, dass unerfahrene Bergsteiger bessere Gipfelquoten am Everest haben, sie akzeptieren höhere Risiken......... 20.5.06, Namche Bazaar, 3500m Um sieben Uhr verlasse ich das Basislager, steige die Marathondistanz nach Namche in achteinhalb Stunden ab. Ein Bett, eine Dusche! 21.5.06, Lukla 2800m Die allerletzte Etappe zieht sich gewaltig, immer und immer wieder taucht noch eine Ecke des Weges auf, um die ich herum muss, dennoch, nach vier Stunden ist alles vorbei, ein großes Schild sagt:" Never say goodbye to Khumbu"....... |











Ngima
tThank you for your company, sorry for my racing.... |

Gokyo - View from Gokyo-Ri
|
Camp
I 6100m - |
Stretching in Camp II 6420m |


Rettung aus dem Eisbruch- Alle helfen mit ! |
Galgenhumor im Minizelt auf 7200m in der Lhotsewand |

Blick ins Western CWM von Lager III aus |
Lukla Airstrip - Durchstarten unmöglich! |
Nur mässig wacklig: Komfortable Hängebrücke |
Kein Regen seit fünf Monaten: Namche Bazar |
Schneeräumen auf 3400m |
Auf dem Weg nach Tibet: Kloster Garok |
Tee in Apa´s Everest Summitter Lodge |
Frischfleisch aus Tibet - Schafshälften |
Khumjung im Schnee |
Yeti oder etwa doch Antilope ? |
Markttag in Namche- nichts, was es hier nicht gibt.. |
Everest Südsattel - das letzte Lager |
Zuviel Wind an der Gipfelpyramide - Umkehr! |
Zurück in der Zivilisation - Überlebt..... |
Cho Oyu vom Genfer Sporn aus gesehen |
Der Beginn der Kletterei: Lhotsewand, 1500m Steileis |

Cho-Oyu vom Gokyo-Ri Gipfel. |
Camp II - 6420m |
Die Unfallstelle: zusammengebrochene Seracs |
Polaroidfotos aller Bergsteiger |
Das Team im Basislager |
Hoffen auf die Gnade der Götter- unsere Stupa |
Entspannung nach harter Arbeit: Kino im Basislager - |
Spalten soweit das Auge reicht- und der Weg führt mitten hindurch |
Pause im Basislager |
Gänsemarsch: Ein geführtes Team im Bruch |
Lauter Besuch: Ein Helikopter im Basislager |
In guten Händen: Basislagerklinik |
Kein Raum für Fehler: Abgestürzter Transporthubschrauber im Basislager |
Not macht erfinderisch: Schutz vor der glühenden Sonne - |